Startschuss: 80.000 Fans feiern das Festival Rock am Ring

Nach drei harten Jahren hoffen Veranstalter und Besucher auf drei Tage ohne Stress, Sturm und Terrordrohung.

Nürburgring. Wieder ruft die Eifel, und bis zu 80 000 Fans werden kommen. Sie alle hoffen auf ein sturmfreies Wochenende mit Freiheit, Rock und Dosenbier. Heute beginnt das Festival Rock am Ring, bis zum Sonntag werden 80 Bands den Besuchern auf drei Bühnen einheizen. Die Anreise läuft bereits seit Tagen, bereits am Mittwoch rollten mehr als 30 000 Besucher an. Zum Programm gehören die Foo Fighters, die Gorillaz, 30 Seconds To Mars, Muse und der Schock-Rocker Marylin Manson.

Rock am Ring hat stürmische Jahre hinter sich. Veranstalter Marek Lieberberg (72), der das Festival 1985 geschaffen hat, trennte sich vom Nürburgring und zog 2015 nach Mendig im Landkreis Mayen-Koblenz um, wo ein ehemaliger Militärflugplatz eine riesige Fläche bot. Die Fans folgten Lieberberg zwar, dessen Karriere als Veranstalter 1970 mit The Who begonnen hat. Aber sowohl 2015 als auch 2016 trafen schwere Unwetter das Festivalgelände, das keine festen Gebäude und damit auch kaum Schutz vor Blitzeinschlägen bot.

2015 wurden in einer Sturmnacht acht Mitarbeiter und mehr als 20 Fans durch Blitzeinschläge verletzt. Dennoch ging Rock am Ring weiter. 2016 wurde es noch schlimmer. Bereits am ersten Festivaltag schlugen Blitze auf dem Gelände in Mendig ein. Mehr als 80 Menschen brauchten ärztliche Hilfe, zwei mussten wiederbelebt werden. Rock am Ring wurde zuerst vorläufig und am dritten Tag, dem Sonntag, dann endgültig abgebrochen – gegen den Willen des Veranstalters. Die Gemeinde Mendig entzog Marek Lieberberg die Genehmigung zur Fortführung, was dieser hart kritisierte (der TV berichtete mehrmals).

2017 kehrte Lieberberg mit der Marke Rock am Ring auf den Nürburgring zurück und musste einen weiteren Schlag einstecken. Wieder war es der Freitag, der erste der drei Festivaltage. Der Auftritt der Broilers aus Düsseldorf auf der Hauptbühne wurde unterbrochen, Lieberberg trat selbst vor die Fans und erklärte, wegen einer terroristischen Gefahrenlage müssen die Veranstaltung unterbrochen und der Nürburgring geräumt werden. Die Fans fügten sich und zogen diszipliniert ab, es gab keine Panik.

Der Hintergrund: Zwei Männer, die zur salafistischen Szene in Hessen gehören sollen, hatten als Mitarbeiter eines externen Sicherheitsdienstes Zugang zum Festivalgelände. Das fiel bei einer Verkehrskontrolle auf.

Doch der Verdacht auf einen Anschlag erhärtete sich nicht, Rock am Ring konnte am zweiten Tag weitergehen. Das tröstete viele enttäuschte Fans nicht, denn der Auftritt der deutschen Skandalrockband Rammstein, der für Freitagabend geplant war, viel aus und konnte nicht wiederholt werden.

Heute hoffen der Veranstalter, die Mitarbeiter und natürlich die Fans – Rock am Ring ist nicht ausverkauft – auf drei Tage ohne Stress und Abbruch. Die Polizei ist mit einer dreistelligen Zahl von Beamten im Einsatz und will, wie in solchen Fällen üblich, aus einsatztaktischen Gründen keine Details verraten. Der Deutsche Wetterdienst sagt Unwetter voraus.

Von Jörg Pistorius