70.000 Fans bei Rock am Ring – Freitagsparty mit Thirty Seconds To Mars und Marilyn Manson

Die Party beginnt nass und stürmisch: Rund 70 000 Fans, weniger als erwartet, feiern das Festival Rock am Ring in der Eifel. Doch auch am verregneten Freitag hält die Vorfreude auf Bands wie Muse und die Foo Fighters die Laune oben – ebenso wie die eine oder andere Überraschung.

 

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung - Wisst ihr bescheid, ne? Foto: Mandy Radics

Nürburgring Es gibt sie immer wieder, diese besonderen Ring-Momente. Völlig unerwartet fallen sie über den ahnungslosen Fan her und reißen ihn mit. Den ersten dieser Momente gibt’s schon am Freitagnachmittag. Die Fans treffen gerade erst in Rudeln von den Campingplätzen ein, haben eine harte Sturmnacht oder eine Anreise im strömenden Regen hinter sich und sind im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht richtig warm mit dem Festival und seinem Herbstklima. Doch als sie an der Crater Stage, einer der drei Ring-Bühnen, vorbeikommen, bleiben sie stehen. Einige mit offenem Mund.

Da toben drei kleine Japanerinnen über die Bühne. Sie sehen aus, als seien sie 14. Sie bewegen sich synchron zu Knochenbrecherrhythmen, tragen futuristische Kostüme und kombinieren Metal-Riffs mit japanischem Elektropop. Kann das funktionieren? Oh ja. Die Fans toben und jubeln den drei Mädels zu. Babymetal lautet der Name des Trios. Der dunkle Himmel über dem Ring ist wenigstens für kurze Zeit vergessen.
Zum zweiten Mal Liebe auf den ersten Blick gibt es beim musikalischen Blind Date an der Alternastage, das ist die kleinste der drei Bühnen. Martin Johnson von der Band The Night Game wirkt wie eine Mischung aus Bruce Springsteen und Justin Timberlake: Rockmusik aus den USA mit viel Falsett-Gesang und dabei auch einigen Tanzeinlagen. Stilistische Grüße gibt es von modernem New Wave und hymnischen Pop-Hits. Seine Begleitband sieht ebenso markant aus wie sie klingt. Cowboyhüte, in die Luft fliegende Gitarren, fette Klunker am Ohr und Tattoos. Diese Neuentdeckung werden sicher einige der nur rund 300 Zuhörer nochmal googlen.
Der Freitag hat noch weitere Höhepunkte. Jimmy Eat World, die Rocker aus Arizona (USA), sind da und machen ihren Job herausragend gut. Mavi Phoenix, die Rapperin aus Österreich, zieht viele Blicke auf sich. Jonathan Davis ist da, der Sänger von Korn. Ein berühmter Fußballprofi soll einmal gesagt haben, bevor er ein Live-Konzert von Korn besuche, stelle er sich an eine Startbahn und höre sich das Getöse einer abhebenden Boing an. Ähnlich dürfte der Sound die mehreren Tausend Fans vor der Crater Stage umhauen. Davis hat neben der klassischen Rockbesetzung von Schlagzeug, Bass und Gitarren auch Streicher zur Unterstützung dabei. Dabei gibt es einige Ausflüge in arabische Tonleitern und sphärische Klangwände, bis ein weiterer brachialer Chorus wieder Turbinenwind ins Gesicht bläst.
Und dann wären da noch Milky Chance. Das Duo aus Kassel, gegründet 2012, hat schon Preise abgeräumt und mit „Stolen Dance“ einen Monsterhit präsentiert. Der Ring feiert die beiden.
Mit diesen ersten Auftritten wird klar: Das Traditionsfestival in der Eifel hat wettertechnisch einen schweren Start erwischt, aber es läuft. Fans und Musiker sind mit Wucht und Spielfreude dabei.

 

Regenjacke war gestern, Fell ist heute angesagt 🙂 Foto: Mandy Radics

Ein Supersturm wie in den Jahren 2015 und 2016 ist nicht in Sicht, aber die Camper haben es schwer. In der Nacht zum Freitag zieht ein schweres Unwetter über die Eifel. In ihren Zelten und Autos trotzen die Fans dem Donner und Starkregen. Die Besucherzahl ist klar geringer als in den Vorjahren, Rock am Ring ist nicht ausverkauft. Veranstalter Marek Lieberberg spricht am Freitag von 70 000 Ticketkäufern. Ebenfalls 70 000 sind es beim Schwesterfestival Rock im Park in Nürberg.
Der Rückgang der Besucherzahl hat natürlich Gründe. Rock am Ring musste in den vergangenen drei Jahren Unterbrechungen und Abbrüche durch Stürme und eine Terrorwarnung hinnehmen. Die Fans sind offenbar vorsichtiger geworden, die Ticketpreise sind hoch und das Programm bietet diese Mal keine Totalkracher wie Metallica, Iron Maiden, Rammstein oder wenigsten die Ring-Stammgäste von den Toten Hosen.

Prost! Die Fans feiern Rock am Ring - Again! Foto: Mandy Radics

Doch selbstverständlich sind auch die Foo Fighters, Muse, 30 Seconds To Mars und die Gorillaz eine Reise in die Eifel wert. Marylin Manson ist auch dabei, er spielt spät in der Nacht zum Samstag. Der technische Aufwand ist so gewaltig wie immer. Allein für den Aufbau der drei Großbühnen sind mehr als 130 Bühnenbauer notwendig, die in vier Tages- und einer Nachtschicht schuften.
Wer drei Tage lang Freiheit, Rock und Dosenbier feiern will, hofft auf ein Wochenende ohne Blitzeinschläge und Terrordrohung. Bis jetzt sieht es gut aus. Das Wetter soll bis Sonntag klar besser werden. Für die Sicherheit der Fans, Musiker und Mitarbeiter sorgt eine dreistellige Zahl von Polizisten, unterstützt von 700 Ordnern und Sicherheitskräften. Die Kontrollen an den Eingängen sind strenger als in den Jahren davor. Seit 2014 hat es keinen Ring ohne Störungen mehr gegeben. Dieses Mal ist es hoffentlich anders.

Von Jörg Pistorius und Nicolaj Meyer