Rock am Ring: Bands aus der Region erinnern sich an Auftritte

Kickern mit Mando Diao, ein Selfie mit Rammstein und ein Jägermeister mit Pete Doherty im Bademantel - einige Bands aus der Region Trier haben den Ring in der Vergangenheit gerockt. Vor dem morgen startenden Rock-am-Ring-Festival erinnern sie sich im TV.

Nürburgring. Für ein paar ganz große Bands ist der Ausnahmezustand Routine: An jedem Tour-Abend vor Zehntausenden Zuschauern spielen, gefeiert und bejubelt werden. Weltweit. Auf den wichtigsten Festivals. In den größten Stadien. Wenn sich der Kindheitstraum jeden Tag aufs Neue wiederholt, wird er bald zum Alltag, geht wohl nicht anders. Die Foo Fighters, 30 Seconds to Mars oder Muse können Lieder davon singen, wenn sie – und davon ist bei ihren Live-Qualitäten schwer auszugehen - am Wochenende bei ihrer Eifel-Rückkehr zu Rock am Ring wieder für Euphorie sorgen werden.

Für andere Bands ist Rock am Ring zum einmaligen Erlebnis geworden. Ein Wochenende, das für immer bleibt. Der TV hat mit Rockmusikern aus der Region Trier gesprochen, die es in der Vergangenheit schon mal ins Programm des wohl legendärsten deutschen Rock-Festivals geschafft haben.

Patric Freiberger ist einer davon. „Das Foto hängt noch bei uns im Flur“, sagt er. Auf dem Bild: Paddy, Schmigga und Stefan – die Drei von Project 54 – triumphierend vor der Alternastage, kurz nach ihrem Auftritt bei Rock am Ring 2010. „Der Auftritt gehört für mich zu den ganz wichtigen Ereignissen im Leben. Etwas, worauf ich stolz bin und woran ich sehr gerne erinnert werde.“ Das sei fast zu vergleichen mit der Hochzeit und der Geburt der Kinder.

Mit der inzwischen aufgelösten Konzer Band Project 54 hatte es der Sänger und Gitarrist auf die zweitgrößte Bühne geschafft – wo am gleichen Abend Motörhead und Slayer aufgetreten sind. „Wir sind leider nie berühmt geworden. Aber das war als kleine Band vom Dorf, die als Schulband angefangen hat, wohl nicht anders zu erwarten – auch wenn wir uns das jahrelang gewünscht hatten.“ Die Punkrockband mit dem großen Herzen für Popmelodien spielte auch bei anderen bedeutenden Festivals wie dem Rock-a-Field in Luxemburg. Aber der Ring war etwas ganz Besonderes. „Wir hatten uns einen Sprinter gemietet und eine Ferienwohnung in der Nähe – den Luxus haben wir uns gegönnt. Wir sind dann über die Campingplätze gelaufen, um Werbung für unseren Auftritt zu machen.“

Alles mitnehmen, alles aufsaugen, was geht – das war die Mission. „Da musste ich im Backstagebereich auch mal Lemmy von Motörhead beim Billardspielen stören, um ein Foto zu machen“, erinnert sich Patric Freiberger, der inzwischen mit seiner Familie in Thomm lebt (Kreis Trier-Saarburg). Auch mit dem Rammstein-Sänger gab’s ein gemeinsames Foto. Das ist bei Till Lindemann eher eine Ausnahme.

26. Mai 1996: Gerade haben die Fugees am Nachmittag mächtig Eindruck hinterlassen, gleich danach ist auf der Hauptbühne eine Trierer Band dran, die das stimmungsmäßig toppen kann: „Wir haben unsere Show mit dem ‚Lied der Schlümpfe’ eröffnet, gefolgt von ‚Biene Maja’“, sagt der gebürtige Trierer Michael Kernbach, der damals als „Hoppla! B. Benito“ Bass bei Guildo Horn & Die Orthopädischen Strümpfe“ spielte.

Er hat noch beste Erinnerungen an die Show des „Meisters“: „Das war definitiv der Höhepunkt meiner Karriere als Live-Musiker. Wir hatten Glück – die Masse war gut auf uns vorbereitet und feierte uns so krass ab, dass nach dem letzten Song Veranstalter Marek Lieberberg persönlich hinter der Bühne vorfuhr, um uns mit einer Flasche Schampus um eine Zugabe zu bitten. Lieberberg war ganz in Weiß gekleidet und sah aus wie frisch aus einem Steven-Spielberg-Film.“

Sebi Wagner, in Bitburg aufgewachsen, kann sogar auf zwei Auftritte bei Rock am Ring zurückblicken – er spielte 2007 und 2009 mit der Alternative-Rockband The Intersphere dort, 2007 noch unter dem Bandnamen Hesslers. „Das ist zwar schon eine Weile her, aber ich weiß noch genau, dass wir richtig stolz waren, auf den gleichen Brettern stehen zu dürfen wie all die großen Bands. Ich erinnere mich, dass die Laderampe hinter der Bühne viel zu hoch war für unseren kleinen Transporter. Wir waren Opener auf der Alternastage – die 1500 bis 2000 Leute vor der Bühne wirkten etwas verloren auf dem großen Platz, aber wir hatten mächtig Spaß. Nach dem Gig haben wir noch mit Mando Diao backstage gekickert und uns 2009 etwas darüber amüsiert, dass Marilyn Manson einen riesigen Aufwand gemacht hat, um bloß keine anderen Menschen hinter der Bühne zu treffen.“ Auch eine neue Perspektive reizte den Eifeler: „Ein Highlight war, dass wir die Möglichkeit hatten, die Headliner am Abend von der Bühne aus vor den Massen performen zu sehen – wir durften seitlich auf die Bühne.“ Große Bühnen ist der Wahl-Kölner inzwischen gewohnt: Mit der Kölschrockband Kasalla füllte er mehrfach eine der größten Hallen des Landes – die LanxessArena.

Die Eifeler Band Monoshoque schaffte es 2012 ins Rock-am-Ring-Programm. „Wir haben zwar schon bessere Konzerte gespielt, aber gerade als Eifeler Jungs, die früher versuchten, über den Zaun zu klettern, war es was ganz Besonderes, beim Festival zu spielen“, sagt Tobi Elsen, Sänger und Gitarrist der Band. „Unser Backstagebereich lag direkt neben unseren damaligen Helden Triggerfinger. Ich erinnere mich auch an eine Runde Jägermeister mit Pete Doherty, der im Bademantel vor uns stand. Das Witzige daran war, dass unser Bassist Lukas ihn bis zum Schluss nicht erkannte.“ Doherty, Frontmann der Libertines und Babyshambles, ist wegen seiner häufigen Exzesse beliebtes Thema in der (Klatsch-)Presse.

Die wohl bekannteste Eifeler Rockband der vergangenen Jahre, Jupiter Jones, spielte dagegen in über 15 Jahren Bandgeschichte nie bei Rock am Ring – und das wird sich wohl auch nicht mehr ändern: Jupiter Jones spielt in diesem Jahr zwar noch einige Konzerte, danach soll aber Schluss sein (der TV berichtete). Den Nürburgring haben sie aber dennoch mal gerockt – beim Truck-Grand-Prix.

Von Andreas Feichtner

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