Ganz schön nass: Trotz Dauerregens – Drei Tage beste Stimmung beim Festival Rock-A-Field 2014

Ganz schön nass: Trotz Dauerregens – Drei Tage beste Stimmung beim Festival Rock-A-Field 2014

Beim neunten Rock-A-Field-Festival im luxemburgischen Roeser haben drei Tage lang Bands aus dem Ländchen und internationale Stars rund 14 000 Zuschauer pro Tag unterhalten. Auch der anhaltende Regen am Samstag kann die Stimmung nicht trüben.

Roeser. „Kaffee? Gibt's beim Rolling-Stones-Konzert“, beantwortet der freundliche junge Mann am Getränkestand die Bitte des Reporters und kann ein „Und Heizdecken!“ nicht verkneifen. Schon klar: Auch beim Rock-A-Field (RAF) gelten, wie auf allen Festivals, die Alltagsgesetze nicht mehr. Dann eben das erste Bier. Ist ja schon elf Uhr morgens.

Dabei käme eine Heizdecke tatsächlich gut: Klang der Freitag noch als laue Sommernacht aus, holt der Samstag nach, was das letzte Rock am Ring nicht mehr auf die Reihe gekriegt hat: die Feierwut der Anwesenden einer rigorosen Prüfung zu unterziehen. Würdig ist nur, wer bei 13 Grad lustig im Dauerregen hüpft.

In Roeser sind einige Tausend würdig. „Wow, das ist toll, dass Ihr mit uns durchhaltet“, freut sich etwa der Sänger der Grunge-Legende Alice In Chains. Vorher gab's ähnliches Lob bereits von Thees Uhlmann, Foster The People und den White Lies.

Am Vortag spielten die Sportfreunde Stiller noch unter blauem Himmel. Die Belgier Triggerfinger zeigten sich wiederholt fasziniert, dass die Sonne untergeht und huldigten der Düsternis, indem sie zur sentimentalen Akustikversion von „I Follow Rivers“ die deutschen Zeilen aus Falcos Psychopathenhymne „Jeanny“ sangen.

Filmreif dann der Auftritt


Computerliebe: Skrillex und sein Raumschiff schießen das Publikum ins Nirvana. TV-Foto: Frank Göbel

des Schauspielers Jared Leto und seiner Band Thirty Seconds To Mars: mit grandioser Lightshow, riesigen Luftballons – und epischer Besetzung: Die Band holte nämlich immer mehr Leute aus dem Publikum zu sich, bis die große Bühne proppenvoll war.

Auf der kleineren ist der Rapper Marteria danach alles andere als eine Nebensache: Seine kraftvolle, bunte Show beendete den Freitag – und den Sommer beim RAF.

Am nächsten Tag wagt es der wieder arg kumpelhafte Hamburger Thees Uhlmann noch, zu witzeln: „Ich habe Euch etwas aus dem Norden mitgebracht: das Wetter!“ Dann geht es auch schon los. Aber den Regen ignoriert das Publikum nicht nur anfangs: Es wird gehüpft, gesungen, geklatscht. Erst bringen die smarten Elektropopper von Foster The People nicht nur junge Damen zum Dampfen, dann brechen alle Dämme bei Shaka Ponk: Die aus Frankreich stammenden Wahl-Berliner vermischen Rock, Elektronik und Hip-Hop in einer furiosen, sehr sportlichen Performance voller Science-Fiction-Visuals und Cybersex-Kostüme – da kommt die Kühlung von oben fast richtig.

Ellie Goulding scheint einen Deal mit den Wettergöttern gemacht zu haben: Kein Tröpfchen kommt ihrem ausgelassenen Auftritt in die Quere. Den zwar immer noch fehlenden Sonnenschein liefert der Wirbelwind in Form einer mitreißenden Performance ihres sehr tanz- und hüpfbaren Rock-Pops. Ein Höhepunkt des Tages. Die White Lies liefern zuverlässig recht amtlichen Indierock, danach reißen die Grunge-Legenden von Alice in Chains die Menge durch den Monsun – und den Schlamm, in den sich die Wiese langsam verwandelt.

Skrillex setzt noch einen drauf: Aus einem blinkenden Raumschiff brettert der DJ ein irrsinnig hektisches Dauerfeuer aus Samples, Loops und Breaks. Aufs Auge gibt's Stroboblitze, Laser und Rauchböller – von der hüpfenden Menge stets durch orgiastisches Kreischen beantwortet. Und so feiert sich das neunte RAF in die Nacht. Wenn die jungen Leute sich da bloß keine Erkältung holen. Heizdecken gibt's nämlich keine.

Von unserem Mitarbeiter Frank Göbel

Categories: Rock-a-Field

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