RAR 2014: Hitze, Helden und ein Panda – 82 500 Zuschauer feiern Abschied vom Ring

RAR 2014: Hitze, Helden und ein Panda – 82 500 Zuschauer feiern Abschied vom Ring

Die Sonne brennt, die Hälfte ist rum, aber für Schwermut oder Abschiedsschmerz ist noch kein Platz: Rock am Ring findet zwar in dieser Form auf dem Nürburgring ein jähes Ende. Aber 82 500 Zuschauer lassen sich die Party davon nicht vermiesen.

 

Nürburgring. Ist es feine Ironie? Eine kleine Hommage? Mangelnder Respekt? Freitagmorgen um 0 Uhr auf der Centerstage. Iron Maiden haben sich gerade eindrucksvoll durchs Lebenswerk gespielt. Mit jeder Menge Verve, Feuerfontänen und den liebgewonnenen Posen und Accessoires. Schweißbändchen, T-Shirts mit dem eigenen Bandnamen drauf, Patronengürtel: Iron Maiden trägt mit Würde, was jede Nicht-Legende sofort um die Ohren gezogen bekäme. Ein super Festival-Auftakt, gleich nach den bewährten Punkrock-Verwaltern von The Offspring.

Und nun steht der „Special Guest“ auf der Bühne, nirgendwo mit Namen angekündigt. Versteckt sich hinter einem Vorhang und spielt zum Auftakt – „Thunderstruck“. Nananana-nananaa-na. Thunder! Die Ultraoptimisten, die sich in den vergangenen zwölf Stunden erfolgreich durch den Festivaltag und Realitätssinn getankt haben, mochten nun johlen: AC/DC als Überraschung zum Rock-am-Ring-Abschluss in der Eifel? Das wäre doch mal ein donnernder Abgang! Es wäre zugleich eine Premiere gewesen, AC/DC spielten nie am Ring. Diesmal natürlich auch nicht, es ist reines Wunschdenken. Hinter dem Vorhang steckt Cro, der Junge mit der Pandamaske, er geht von „Thunderstruck“ direkt über in seine Gute-Laune-Baby-Hymne „Einmal um die Welt“. Manche Metalfans wünschen sich den Pop-Rapper zwar sogleich dahin, wo der Bambus wächst. Ein paar Pfiffe muss sich Cro anhören, weil der Stilwechsel selbst für Ringverhältnisse kamikazös ist. Aber mittlerweile geht bei Festivals fast alles. Rock am Ring ist auch nicht das Wacken-Festival. Seit der Premiere im Jahr 1985 ging es immer um Vielfalt – härterer Rock war eben nur der wichtigste Pfeiler. Cro zitiert sich mit seiner Band durch die Genres, geht auch mal Richtung Elektro (Justice vs. Simian) und Indie (Bloc Party) und schwärmt später von „einem Abend, den ich nie vergessen werde“. Das werden einige Zuschauer schon am nächsten Morgen nicht mehr von sich behaupten können.

Blick nach vorn, raus aus der Eifel

Beim letzten Rock am Ring in der Eifel ist Halbzeit. Am Freitagabend standen unter anderem Kings of Leon, Mando Diao und Nine Inch Nails auf der Bühne. Heute und morgen geht es mit Bands wie Linkin Park und Metallica weiter. Veranstalter Marek Lieberberg richtet schon mal den Blick nach vorn – raus aus der Eifel, Richtung Niederrhein, wo die Traditionsveranstaltung ab 2015 ausgetragen werden dürfte: Der Veranstalter lädt am kommenden Dienstag Rock-am-Ring-Fans in den Hockeypark Mönchengladbach ein. Am Nürburgring selbst buhlen die Ring-Betreiber auf einer großen Werbefläche bereits für ihr eigenes Festival in der Eifel. Das Rock-Festival „Grüne Hölle“ soll ebenfalls an Pfingsten über die Bühnen gehen. Das ist beides noch Zukunftsrock. Die Gegenwart verspricht noch ein letztes Mal Hitze (eher ungewohnt), 24 Stunden Party auf den Zeltplätzen und 40 internationale Bands. Wer noch einmal hinwill: Es gibt noch einige Tagestickets für Samstag und Sonntag.
volksfreund.de/rar

 

Von unserem Redakteur Andreas Feichtner

Categories: Rock am Ring

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