Rock am Ring 2013: Sonne, Nebel, ausrastende Fanmassen und pure Energie auf den Bühnen

Ausnahmezustand und Härtetest: Das seit Januar ausverkaufte Festival Rock am Ring belohnt 85 000 Fans mit einem heißen Freitag und vielen Künstlern in Hochform. Die großartig gelaunten Besucher stecken auch Regen und Nebel am Sonntag weg. Die Höhepunkte sind 30 Seconds to Mars, Green Day und Seeed.

Nürburgring. Sex sells, sagen die Weisen des Marketing. Sex kurbelt den Verkauf an. Das Ringprogramm hat mehrere Aushängeschilder in dieser Kategorie. Schon seit Wochen künden zahllose Facebook-Einträge von der ewigen Verehrung, die viele Damen Jared Leto entgegenbringen. Das tun sie auch Freitagnacht, als Letos Band 30 Seconds to Mars die Centerstage stürmt.
Der 41-jährige Leto nimmt ein Bad in der Fanmasse, viele Mädels im Block vor der Bühne sind der Ohnmacht nahe. „Ich habe Jared berührt“, werden viele noch in derselben Nacht verkünden. Kommt auf Facebook immer gut. 30 Seconds to Mars legen einen der stärksten Ringauftritte hin und lassen dem musikalischen Feuerwerk ein reales folgen. Blitz und Donner über der Eifel – ein Omen für den Samstag.
Doch die männlichen Ringrocker gehen in der Kategorie Sex sells nicht leer aus, dafür hat Programmmanager André Lieberberg gesorgt. Schon am Freitagmittag – dem Tag des Mittelmeerklimas in der Eifel – taucht eine Frau auf der Bühne auf, die nicht unbedingt in der ersten Reihe der Rockberühmtheiten steht, am Ring aber sofort zum Publikumsliebling wird. Hayley Williams, Sängerin der US-Alternative-Rocker Paramore, war im britischen Magazin Kerrang mal „Sexiest Woman in Rock“. Das ist sie wahrscheinlich immer noch. Die zierliche Schöne mit den grellroten Haaren und der gewaltigen Stimme besteht offenbar aus purer Energie und wird zum für viele unerwarteten Höhepunkt am Ring.
Unerwartet – ein generell passendes Attribut für den Ring 2013. Veranstalter Lieberberg hat auf eine Ballung wirklich großer Namen verzichtet. Nix Metallica, keine Toten Hosen. Stattdessen lassen die Macher vor allem ein starkes Mittelfeld auf d

TV-Foto: Sven Eisenkrämer

ie Fans los. Die Elektropunker The Prodigy als Headliner, die Sportfreunde Stiller im Hauptprogramm am Sonntagabend – das birgt Risiken.
Doch der Plan funktioniert. Die gewaltige Show von 30 Seconds to Mars und die unbändige Energie von Bands wie Green Day und Seeed erfüllen den Wunsch der Fans, Großes auf den Ringbühnen zu sehen. Auf der Alternastage versorgen die
Härteren und Lauteren wie Bullet for my Valentine und Limp Bizkit ihre Anhänger. Die Dänen Volbeat spielen den Fans den Klassiker „Ring of Fire“ von Johnny Cash an, und Zehntausende singen a cappella.
Und bei alldem bleibt genug Luft, Faszinierendes außerhalb der eigenen musikalischen Pfade zu finden. Der 23-jährige Rapper Cro mit seiner Panda-Maske fesselt sein Publikum mit einer Souveränität, als sei er seit Jahrzehnten im Geschäft. Fritz Kalkbrenner auf der Clubstage lässt den Ring in der Nacht zum Samstag wackeln. Die Rapper von Fettes Brot rollen mit Mofas auf die Bühne. Mittendrin immer wieder tanzende, feiernde, ausgelassene und ausrastende Fans – schöne Bilder. Zu vielen großartigen Momenten am Ring passt die gute Nachricht von Marek Lieberberg, dem Vater des Festivals: „Im nächsten Jahr, wenn alles klappt: vier Tage Rock am Ring.“
Von unserem Redakteur Jörg Pistorius

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